Joël Dicker: Die Geschichte der Baltimores

Joël Dicker: Die Geschichte der Baltimores

2013 hatte der Schweizer Joël Dicker mit seinem wirklich fantastischen Roman Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert international für Furore gesorgt. Sein Erstling war ein intelligent gestrickter Krimi und so durchschlagender Erfolg, dass es gar nicht anders möglich ist, als sein zweites Buch mit dem Debutroman zu vergleichen.

In Die Geschichte der Baltimores lässt Dicker den Schriftsteller Marcus Goldman auftreten (den Namen hatte er bereits im Roman über Harry Quebert verwendet) und erzählt personal aus dessen Perspektive. Ihm gelingt mit ein paar Abstrichen ein durchaus solider Schmöker, aber ja, man vergleicht natürlich die beiden Bücher miteinander und dann fällt die Geschichte der Baltimores leider etwas ab.

Marcus Goldman, der zusammen mit seinen Eltern in Montclair an der US-amerikanischen Ostküste wohnt, erzählt von seiner Kindheit und Jugend.  Wir begleiten ihn aber auch in der Gegenwart. Den Mittelpunkt des Romans bildet die „Goldman-Gang“, die Marcus zusammen mit seinem Cousin Hillel Goldman und dem Pflegekind Woody bildet. Immer wieder kündigt Dicker eine „Katastrophe“ an, die alles verändert habe. Ihm gelingt es erfolgreich damit die Leser bei der Stange zu halten. Indem er die „Katastrophe“ allerdings wiederholt als Cliffhanger einsetzt, schraubt er die Erwartungen hoch, so dass das platt konstruierte Ereignis selbst den Leser dann etwas enttäuscht zurücklässt.

Das Motiv,  das den gesamten Roman durchzieht, ist der Vergleich von sich selbst mit anderen. Marcus hält seine Eltern – die Goldmans aus Montclair – für erbärmliche Versager. Stattdessen idealisiert er die Familie seines Onkels Saul. Die Goldmans aus Baltimore sind reich, gebildet, politisch engagiert – kurzum eine absolute Vorzeigefamilie. Saul ist ein erfolgreicher, aber geerdeter Anwalt, Tante Anita eine hübsche und bewunderte Ärztin, Hillel ist zwar schwächlich, dafür aber recht intelligent. Woody ist zwar ein Pflegekind,  das von seinem Vater im Stich gelassen und von den Goldmans aus Baltimore aufgenommen wurde, dafür ist er kräftig, muskulös und hat eine glänzende Karriere im Football vor sich. Aber auch die von Marcus beneidete Familie stellt den Vergleich mit anderen an. Saul vergleicht sich mit seinem Nachbarn, der noch reicher und noch erfolgreicher ist. Hillel und Woody wetteifern um die Gunst der Eltern. Und natürlich gibt es  Wettbewerb um eine Frau: Durch die Nachbarstochter Alexandra wird die  „Goldman-Gang“ auf eine harte Probe gestellt.

Um Spannung zu erzeugen wechselt Dicker oft die Zeitebenen. Immer wieder gibt es Vor- oder Rückblenden, denen man allerdings gut folgen kann. Ein paar vertretbare Längen sind in dem Roman nicht zu leugnen. Zuweilen ist der weitere Verlauf der Geschichte auch nicht allzu überraschend. Insgesamt überzeugt die Geschichte der Baltimores aber und ist  durchaus lesenswert.

Verlag: Piper
Erscheinungsjahr: 2016
ISBN: 978-3-492-05764-6
Preis: Hardcover 24 € /  Taschenbuch 11 € (lt. Verlagsangaben ab September 2017 erhältlich)

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