Irvin Yalom: Und Nietzsche weinte

Irvin Yalom: Und Nietzsche weinte

Dass die Geschichte der Psychoanalyse viel literarischen Stoff bietet, demonstriert bereits eine Vielzahl von Romanen, die Sigmund Freud als historische Figur in einen fiktiven Kontext einbetten. Es ist mittlerweile fast 20 Jahre her – 1994 –, da hat der amerikanische Psychiater Irvin D. Yalom Freud als ein Protagonist seines Romans Und Nietzsche weinte verwendet.

In Yaloms Buch spielt Freud allerdings nur eine Nebenrolle. Im Mittelpunkt stehen Josef Breuer und Friedrich Nietzsche. Obwohl sich diese beiden Personen der Zeitgeschichte nie kennengelernt haben, ja obwohl der vielgereiste Nietzsche niemals in Wien war, zeigt uns Yalom, dass sich die beiden viel zu sagen gehabt hätten.

Friedrich Nietzsche war zeitlebens geplagt von körperlichen Beschwerden. Heftige Magenbeschwerden, rasende Kopfschmerzen und ein abnehmende Sehfähigkeit führten dazu, dass er bereits mit Mitte 30 seine Professur in Basel aufgeben musste. Später wurde er regelrecht wahnsinnig. Durch die Vermittlung von Lou Andreas-Salomé (über die aktuell sogar ein Biopic im Kino läuft) wird Nietzsche Josef Breuers Patient. Breuer hatte zu diesem Zeitpunkt die Behandlung der Berta Pappenheim – die Therapie ist unter dem Namen „Der Fall Anna O.“ in die Geschichte der Psychoanalyse – abgeschlossen, aber keinesfalls überwunden. Er hat eine Obsession für seine Patientin entwickelt, über die er nicht hinwegkommt und durchlebt eine schwere Seinskrise.

Durch Anna O. hat Breuer festgestellt, dass es hysterischen Patienten hilft, zu sprechen. Indem sie auf die Ursachen ihrer Probleme stoßen, lindern sich die somatischen Beschwerden. Auf dieser Grundlage will Breuer auch die Beschwerden Nietzsches kurieren, für die er ungelöste psychische Konflikte vermutet. Im Rahmen der Therapie entwickeln sich spannende Dialoge und Wortgefecht zwischen den beiden. Breuer versucht Nietzsche zu therapieren, indem er auf Grundlage dessen Philosophie argumentiert. Letztlich wechseln aber die Rollen und der Therapeut wird zum Therapierten.

Und Nietzsche weinte ist  eine interessante teaching novel, wenn man sich für philosophische Themen bzw. die Geschichte der Psychoanalyse interessiert. Die Dialoge entsprechen der Zeit. Sie wirken aus heutiger Sicht daher gestelzt und man stolpert immer wieder etwas beim Lesen. Insgesamt erfordert die komplexe Materie etwas Konzentration. Vorkenntnisse, insbesondere was das Denken Nietzsches betrifft, sind hilfreich.

Verlag: btb
Erscheinungsjahr: 1994
ISBN: 978-3442737284
Erscheinungsjahr: 2008
Preis: Taschenbuch 9,99 €

 

 

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