Haruki Murakami: Kafka am Strand

Haruki Murakami: Kafka am Strand

Als Kafka am Strand 2004 erschienen ist, waren die Rezensionen in den einschlägigen Feuilletons überwiegend positiv. Die Süddeutsche Zeitung, die Zeit, die TAZ kommentierten den neuen Roman von Haruki Murakami positiv. Die Neue Zürcher Zeitung dagegen druckte einen Verriss. Wie liest sich also Kafka am Strand? Ich finde, das Buch liegt irgendwo dazwischen. 

Wenn Bücher mit stark fantastischen Elementen, wie bei mir, Ausnahmen darstellen, ist Murakami wahrscheinlich von Anfang eine schwierige Wahl. Dennoch hatte ich mich an seinen 1Q84 versucht und war sehr positiv überrascht. Trotz seines gewaltigen Umfangs vermochte er mich mit diesem Bestseller stundenlang zu fesseln. Gleiches gilt für die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tanzaki.  Vor diesem Hintergrund hatte ich mich also auch an Kafka am Strand versucht.

Murakami erzählt die Geschichte des 15-jährigen Kafka Tamura. Der intelligente, belesene Junge reißt von zuhause aus, nachdem ihm sein Vater prophezeit hatte, er werde ihn umbringen und mit seiner Mutter und seiner Schwester schlafen (beide haben die Familie verlassen, als Kafka vier Jahre alt war). Auf seiner Reise strandet er in einer Bibliothek und findet dort Arbeit und Obdach. Geleitet wird die Bibliothek von einer androgynen Frau und einer älteren Dame, die – zumindest theoretisch – seine Mutter sein könnte. Die beiden Frauen werden für ihn zu wichtigen Bezugspersonen auf seiner Reise. Eine neue Wendung erfährt der Roman, als der geflüchtete Kafka erfährt, dass sein Vater umgebracht wurde und die Propherzeiung damit wahr geworden ist. Kafka war zu diesem Zeitpunkt zwar weit weg vom Ort des Geschehens, hält sich aber selbst nicht für unschuldig, da er nach einer Ohnmacht in einem blutigen Hemd aufgewacht ist.

Die Kapitel über Kafka wechseln sich mit denen über ruckseiteden Idioten Nakata ab. Er ist ein einfältiger, aber guter Narr, der mit Katzen sprechen kann und dessen Weg ihn in dieselbe Stadt wie Kafka führt. Nakata war als Kind ein vollkommen normaler Junge, der durch ein ungeklärtes Ereignis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges in ein Koma fiel und dumm wieder auftauchte. Sein Gehirn war nach dem Koma eine tabula rasa ohne Erinnerungen. Dafür hat Nakata aber besondere Fähigkeiten erhalten. Er weiß es bereits im Voraus, wenn es Blutegel oder Sardinen regnet, und kann rechtzeitig seinen Regenschirm aufspannen. Der Roman ist durchzogen von solch absurden Vorkommnissen, von sehr surrealistisch anmutenden Begebenheiten. Häufig ist nicht klar, was Realität und was Fiktion ist.

Mir wird bei der Lektüre allerdings oft der tiefere Sinn der zwar sehr fantasievollen, aber auch sehr verschrobenen Geschehnisse nicht klar, mit denen Murakami seinen Leser konfrontiert. Der japanische Schriftsteller nimmt offenbar ganz bewusst Anleihen bei europäischen Motiven. In der Ödipus-Geschichte offenbart sich die griechische Tragödie und vielleicht soll die Wahl des Namens – Kafka – den surrealistischen Charakter des Romans erklären. Hin und wieder begegnen einem zudem geisterhafte Figuren, die Namen amerikanischer Marken wie Johnnie Walker tragen. Auch hier erschließen sich die Anspielungen nicht. Darüber hinaus hat das Buch Längen, so dass ich im Zweifel lieber zu Murakamis anderen Werken greifen würde.

Unklar bleibt, welche Botschaft Murakami eigentlich vermitteln will. Vor diesem Hintergrund habe ich  Kafka am Strand daher mit gemischten Gefühlen abgeschlossen.

Verlag: btb
Erscheinungsjahr: 2004
ISBN: 978-3442733231
Preis: Taschenbuch 11,99 €

 

 

 

 

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