Gilbert Adair: Die Evadne-Mount Trilogie

Gilbert Adair: Die Evadne-Mount Trilogie
An dieser Stelle will ich nicht nur ein Buch rezensieren, sondern gleich drei. Denn ich finde im Zusammenspiel funktionieren die drei Krimis von Gilbert Adair am besten. Die Evadne Mount-Trilogie ist in den Jahren 2006 bis 2008 beim C. H. Beck-Verlag erschienen. Die Bücher haben also schon ein paar Jahre auf dem Buckel, sind es aber nach wie vor wert, gelesen zu werden. Während die ersten beiden Bücher (Mord auf ffolkes Manor und Ein stilvoller Mord in Elstree) klassische Agatha Christie-Pastiches sind, stellt der dritte Band (Und dann gab’s keinen mehr) alles auf den Kopf und wartet mit sehr überraschenden Wendungen auf.

Evadne Mont ist Adairs Protagonistin: eine liebenswerte ältere Dame, die ein bisschen an Miss Marple erinnert. Im Jahr 1935 ist zu Gast in einem alten Herrenhaus am Rande von Dartmoor, das, wie es sich für einen solchen Krimi gehört, prompt eingeschneit und von der Außenwelt abgeschnitten wird. Natürlich gibt es einen Toten, der, um das Rätsel auf die Spitze zu treiben, in einem von innen verschlossenen Raum gefunden wird. Jeder der Anwesenden ist höchst verdächtig und Evadne Mount beginnt zu ermitteln. Während hier das goldene Zeitalter des englischen Kriminalromans beschworen wird, ist der zweite Band, Ein stilvoller Mord in Elstree, eine Hommage an die Suspense-Filme der Hitchcock-Ära. Wieder stolpert die ältere Dame in einen Mordfall. Diesmal ist es eine befreundete Schauspielerin, die vor laufender Kamera im Filmstudio vergiftet wird. Sechs Menschen hatten die Gelegenheit, sie zu töten und schließlich entdeckt Evadne, dass sie alle geheime Motive hatten und verdächtig sind.

Gilbert Adair hätte diese klassische Struktur auch im dritten Teil der Reihe beibehalten können. Doch man merkt gleich zu Beginn, dass der Roman vollkommen anders wird. Der Autor tritt überraschend als Ich-Erzähler auf. Er – also Adair selbst – reist nach Meiringen in die Schweiz, um als Gast an einem Sherlock Holmes Literaturfestival teilzunehmen. Es ist ein kleiner Ort nahe den Reichenbachfällen, in denen Sir Arthur Conan Doyle seinen Helden sterben ließ. Und wieder geschieht ein Mord. Es ist der politisch links stehende Schriftsteller Gustav Slavorigin, auf den ein rechter patriotischer Texaner ein gigantisches Kopfgeld ausgesetzt hat. Soweit, so klassisch. Doch auf dem Festival trifft Adair auf Evadne Mount, die sich gibt und spricht wie die Figur in seinen Romanen, obgleich sie ihm nur als Inspiration für die Romanfigur gedient hatte. Sie ist die Freudin einer Freundin und ihren Namen und ihren Habitus hat Adair für seine fiktive Evadne genutzt. Doch jetzt liest sie Zeitungen und raucht Zigaretten, deren Markennamen er sich für die Romane ausgedacht hat und gar nicht existieren. Was also passiert hier gerade?

Mit dem letzten Band schreibt Adair einen durch und durch postmodernen Roman, der sehr viel mit Intertextualität spielt, dabei aber glänzend unterhält. Es ist nicht immer klar, was Fakt und was Fiktion ist, aber ungeheuer reizvoll, wie er klassische Erzählstrukturen über Bord wirft und etwas ganz Neues wagt. Beim dritten Roman, den ich ohne zu wissen, was mich erwartet gekauft hatte, habe ich zunächst einen klassischen Krimi erwartet, war aber keine Sekunde enttäuscht, dass ich etwas vollkommen anderes zu lesen bekam.

Verlag: C. H. Beck
Erscheinungsjahr: 2006/2007/2008
Seiten: 294 / 302 / 272
ISBN:  978 340 0652 / 978 340 656 3706 / 978 340 657 6928
Preis: je 18,90 € (Hardcover)

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