Robert Harris: Die Cicero-Trilogie

Robert Harris: Die Cicero-Trilogie

Vor vielen Jahren, als Jugendlicher, hatte ich zuletzt ein Buch von Robert Harris in der Hand. Außer dem 1992 erschienenen Vaterland, das mit der Fiktion spielt, die Deutschen hätten den Zweiten Weltkrieg gewonnen, war mir der britische Autor nicht mehr unterkommen. Diesen Sommer bin ich über die eigentlich schon nicht mehr brandneue Cicero-Trilogie gestolpert – und war begeistert.

Die Trilogie besteht aus den Romanen Imperium (2006), Titan (2009) und Dictator (2015), die alle bei Heyne erschienen sind. Als ich den ersten Band aufschlug, war ich mir nicht einmal sicher, dass die Geschichte mich durch alle Seiten tragen wird und erst recht dachte ich nicht, alle drei Teile in kürzester Zeit zu lesen. Aber es ist phänomenal, wie es Harris gelingt, die Antike wieder aufleben zu lassen und wie er uns bei Marcus Tullius Cicero leidenschaftlichem Kampf um die römische Republik dabei sein lässt.

Robert Harris schildert die Handlung aus der Perspektive von Ciceros Haussklaven Tiro, mit dem der Römer ein fast freundschaftliches Gefühl verbindet und dessen Existenz historisch verbürgt ist. Der erste Band schildert den Aufstieg des Juristen Cicero bis hin zum Senator und Ädil. Inhaltlicher Schwerpunkt bildet der berühmte Prozess gegen den korrupten Statthalter von Sizilien Gaius Verres.  Titan beschreibt Ciceros Kandidatur als Prätor und seine Wahl zum höchsten Amt, das die römische Republik zu bieten hat: dem Konsulat. Es ist ein hochspannender Polit-Thriller erster Güte, wenn Cicero unter größter Gefahr und mit geschicktem Ränkespiel die Verschwörung des Catilina niederschlägt. Im dritten Band, Dictator, kann auch Cicero den Untergang der Republik nicht mehr aufhalten.

Als Leser begleitet man nicht nur Cicero durch sein Leben, sondern stößt auf zahlreiche Charaktere, die seine Wege kreuzten, für die römische Antike zentral sind und bis heute jedem geläufig sind: das Triumvirat mit Pompeius und Grassus, Cato der Jüngere, Catilina und und und… Episch ist der Machtkampf zwischen Cicero mit Gaius Julius Caesar. Den Diktator begreift Harris nicht länger als antiken Helden, sondern als gestörten Soziopathen. Die Sympathien des Autoren sind klar verteilt.

Bemerkenswert und teils ernüchternd sind die Parallelen zwischen der heutigen Zeit und Ereignissen, die vor 2.000 Jahren stattfanden und so lange her zu sein scheinen, dass man kaum glauben mag, noch heute Lehren daraus ziehen zu können. Denn wenn Harris beschreibt, wie die Republik untergeht, hat uns das auch in der Gegenwart viel zu sagen. Eine große Verantwortung tragen die (römischen) Bürger, die gelangweilt und gesättigt, ihre Versklavung in der Diktatur regelrecht herbeizusehnen scheinen. Es sind die immer gleichen Populisten, die unter Verweis auf die angebliche Bedrohung des Staates die Menschen korrumpieren und Notstandsrechte für sich beanspruchen und missbrauchen.

Ich kann alle drei Bücher nur empfehlen – nur selten gelingt es Autoren so eindrucksvoll, eine untergegangene Epochen so plastisch wieder lebendig werden zu lassen .

Imperium/Titan/Dictator: je 10,99 € (Taschenbuch)
Verlag: Heyne
Umfang: Imperium: 496 Seiten/Titan: 560 Seiten/ Dictator: 528 Seiten

 

 

 

 

 

 

 

 

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