Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel

Jean-François  Parot: Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel

Als Maigret des vor-revolutionären Frankreichs beschreibt Le Figaro Commissaire Nicolas le Floch. Der aufstrebende junge Ermittler steht im Zentrum des Krimis von Jean-François Parot: Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel. Ein Ritterschlag, den die Tageszeitung damit vornimmt, denn wer steht mehr für den klassischen französischen Kriminalroman als die Figur von Georges Simenon? Treffend ist die Aussage insofern, als dass der erste Band der le Floch-Reihe ein sehr klassisches Finale findet. Wenn der junge Beamte ausschweifend vor großem Publikum die Auflösung präsentiert, meint man fast, Maigret oder Poirot um die Ecke biegen zu sehen. Unterhaltsam ist der Krimi dennoch, wenngleich mir die „halluzinatorische Suggestivkraft“, die Le Figaro ausgemacht haben will, stark übertrieben scheint.

Le Floch ist ein Findelkind, das der ehrenwerte Marquis de Ranreuil unter seine Fittiche genommen hat. Er schickt seinen Schützling 1761 nach Paris, um beim Polizeipräfekten Sartine vorstellig zu werden. Es dauert nicht lange und le Floch wird in einen Mordfall verwickelt, der nicht nur äußerst verzwickt ist, sondern sich zu einer Staatsaffäre ausweiten könnte. Denn der korrupte Polizeibeamte Lardin hat Briefe zwischen König Ludwig XV. und seiner Mätresse Mme de Pompadour unterschlagen, die politisch heikel sind.

Die Opfer und die Verdächtigen, die in dem Buch auftauchen, sind gewiss keine psychologisch tiefen Charaktere, aber diesen Anspruch hat der Krimi auch nicht. Er unterhält auf durchaus intelligente Weise, indem er historische Persönlichkeiten integriert, wie den Henker Charles-Henri Sanson, der noch während der Französischen Revolution gewirkt hatte. Und Parot integriert amüsante, zuweilen befremdliche Figuren wie Jean Tirepont, der einen mobilen Latrinendienst betreibt.  Auf seinen Schultern balanciert Tirepont eine Stange, an deren beiden Enden Eimer angebracht sind, in denen man mangels öffentlicher Toiletten seine Notdurft verrichten konnte. Diese kleinen Details vermitteln einen Eindruck, was es hieß, in der damaligen Zeit in einer Metropole wie Paris zu leben. Immer wieder wird der Gestank thematisiert, der in der Stadt, insbesondere in den weniger gehobenen Viertel geherrscht hatte, so dass man sich an Patrick Süßkind („Das Parfum“) erinnert fühlt, der wie kein anderer beschrieben hatte, wie sehr die Pariser Nasen noch im 18. Jahrhundert leiden mussten.

Le Floch ermittelt in heruntergekommenen Spelunken und Bordellen und kommt dabei mit blasierten Edelmännern und vom Leben gezeichneten Gaunern ins Gespräch. Dadruch zeichnet Parot einen interessanten Querschnitt der Gesellschaft. Die geringe Achtung  jener Zeit für den Einzelnen scheint dabei zart durch, doch stets bleibt Das Geheimnis der Weißmäntel ein leichter, unterhaltsamer Kriminalroman.

2017 ist das Buch bei Blessing erschienen, für 2018 ist bereits der zweite Band angekündigt, und man darf annehmen, dass noch viele weitere folgen werden. In Frankreich ist Nicolas le Floch bereits eine etablierte literarische Figur. Mehr als zehn Bände hat Parot bereits veröffentlicht, bevor die Reihe für den deutschen Markt entdeckt wurde.

Eine Leseprobe gibt es hier.

Verlag: Blessing
Preis: 17 € (Paperpack)
Umfang: 480 Seiten
Erscheinungsjahr: 2017
ISBN: 978-3-89667-573-6

 

 

 

 

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