Kamel Daoud: Der Fall Meursault

Kamel Daoud: Der Fall Meursault

1942 hatte Albert Camus Der Fremde veröffentlicht. Ein Roman mit Weltgeltung, ein Hauptwerk des Existenzialismus und eine Erzählung, die das Lethargische und die Ennui des Protagonisten wunderbar einfängt und in Prosa übersetzt. Der eigentliche Handlungsstrang ist rasch erzählt: Camus „Fremder“ tötet einen namenlosen Araber. Aber es ist eine Erzählung aus Sicht der französischen Kolonialherren und Kamel Daoud stellt vierzig Jahre später eine Erzählung aus algerischer Perspektive entgegen. Seine Geschichte ist die des Bruders des Ermordeten und dessen Leben nach dem Verbrechen.

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Honoré de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken

Honoré de Balzac: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken

Wen man ein Buch rezensiert, schreibt man kritisch über das Buch. Man wägt ab, was dem Autor besonders gut gelungen ist oder benennt dramaturgische Schwächen, flache Charaktere und was einem sonst aufgefallen ist und der Rede wert erscheint. Man ist also zwangsläufig ein Kritiker und damit einer jener „schrägen Typen der Journaille“, wie sie Honoré de Balzac in seiner Polemik gegen die Presse charakterisiert. 1843 erschien die Streitschrift, 2016 brachte der Schweizer Manesse-Verlag das Traktat erstmals in deutscher Übersetzung auf den Markt: Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken. Die schrägen Typen der Journaille

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Gilbert Adair: Die Evadne-Mount Trilogie

Gilbert Adair: Die Evadne-Mount Trilogie
An dieser Stelle will ich nicht nur ein Buch rezensieren, sondern gleich drei. Denn ich finde im Zusammenspiel funktionieren die drei Krimis von Gilbert Adair am besten. Die Evadne Mount-Trilogie ist in den Jahren 2006 bis 2008 beim C. H. Beck-Verlag erschienen. Die Bücher haben also schon ein paar Jahre auf dem Buckel, sind es aber nach wie vor wert, gelesen zu werden. Während die ersten beiden Bücher (Mord auf ffolkes Manor und Ein stilvoller Mord in Elstree) klassische Agatha Christie-Pastiches sind, stellt der dritte Band (Und dann gab’s keinen mehr) alles auf den Kopf und wartet mit sehr überraschenden Wendungen auf.

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Robert Darnton: Die Zensoren

Robert Darnton: Die Zensoren

Nicht jeder Historiker schreibt Bücher so, dass sie gut lesbar sind. Bei dem Harvard-Professor Robert Darnton trifft dies zu. In den letzten Jahrzehnten hat er eine ganze Reihe von Sachbüchern publiziert, die durchgehend ihren Platz im Bücherschrank verdient haben. Das zentrale Thema, das all seine Bücher durchzieht, ist die Geschichte von Ideen und wie sie sich verbreiten. In dieser Tradition steht auch Die Zensoren. Wie staatliche Kontrolle die Literatur beeinflusst hat. Vom vorrevolutionären Frankreich bis zur DDR. Darnton betrachtet die Zensur aus einer neuen Perspektive, indem er die Menschen, ihre Ziele und ihre Arbeitsweise in den Vordergrund rückt.

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Thea Dorn: Die Unglückseligen

Thea Dorn: Die Unglückseligen

Thea Dorn ist eine feste Größe in den literarischen Zirkeln, seit neuestem auch als festes Ensemblemitglied im Literarischen Quartett. 2016 hat sie Die Unglückseligen bei Knaus veröffentlicht: Ein Roman, der mit der Sehnsucht des Menschen nach Unsterblichkeit spielt. Ich habe mich ein wenig auch von dem sehr gelungenen Cover verleiten lassen das Buch zu kaufen. Eine gewisse Enttäuschung kann ich nach der Lektüre allerdings nicht verhehlen.

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Julian Barnes: Arthur & George

Julian Barnes: Arthur & George

Ein großer Justizskandal, ein weltberühmter Schriftsteller und die atmosphärisch dichte Kulisse des viktorianischen Englands. Die Komponenten für Julian Barnes Roman Arthur & George sind hervorragend – und so ist auch das Buch. Es geht um Stereotype und imperialen Rassismus, um Religion und Spiritismus und um die Frage, was eigentlich Ehre bedeutet. Zentrale Figur ist niemand geringerer als Sir Arthur Conan Doyle, der sich – historisch korrekt – in einen Kriminalfall einschaltet und den zu Unrecht verurteilten Parsen George Edalji rehabilitieren will.

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M.R.C. Kasasian: Mord in der Mangle Street

M.R.C. Kasasian: Mord in der Mangle Street
In Erwartung seichter, aber vergnüglicher Krimi-Unterhaltung habe ich Mord in der Mangle Street von Martin R.C. Kasasisan mitgenommen. Die Erwartung wurde nicht enttäuscht. Das Detektivgespann Sidney Grice und March Middleton nimmt in diesem Debut-Roman ganz bewusst starken Bezug auf Sherlock Holmes. Anders als bei den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle werden die Ermittlungen aber aus der Perspektive einer jungen Frau erzählt und es ist nicht das London des wohlsituierten Bürgertums, das im Vordergrund steht, sondern das der Unterschicht: East End statt West End! Fragen der Emanzipation oder sozialer Gerechtigkeit waren für Conan Doyle schlichtweg nicht existent. „M.R.C. Kasasian: Mord in der Mangle Street“ weiterlesen